Was auf Fahrgäste beim GDL-Streik zukommt

Was auf Fahrgäste beim GDL-Streik zukommt
Zum dritten Mal in Folge streikt die Lokführer-Gewerkschaft – diesmal so lange wie noch nie zuvor. Die wichtigsten Fragen und Antworten zum Bahnstreik Wie lange soll der Streik dauern? Fünf Tage lang müssen sich die Fahrgäste auf Störungen im Personenverkehr einstellen – seit zwei Uhr bis Dienstag kommender Woche um zwei Uhr. Im Güterverkehr wird bereits seit Mittwochnachmittag gestreikt. Es ist der längste Streik der Gewerkschaft Deutscher Lokomotivführer (GDL). Welche Verbindungen fallen aus? Im ganzen Land werden viele Fernzüge und Regional- und S-Bahnen stillstehen. Besonders im Osten Deutschlands werden aber mehr Züge ausfallen, weil hier die GDL anders organisiert ist als im Westen. Die Deutsche Bahn will aber während der Streiktage sicherstellen, dass im Fernverkehr rund ein Viertel der Züge des normalen Fahrplans angeboten wird. Im Regional- und S-Bahnverkehr peilt das Unternehmen ein Angebot von etwa 40 Prozent an. Der Konzern will versuchen, auf Hauptrouten im Zwei-Stunden-Takt zu fahren. Im Osten werden auch Busse dafür eingesetzt. Zu den wichtigen Strecken zählen etwa die zwischen Berlin und dem Rhein-Ruhr-Gebiet sowie die zwischen Hamburg und Frankfurt am Main. Auch Flughäfen sollen regelmäßig angefahren werden. Die Lufthansa stockt zudem ihr Angebot auf und bietet gemeinsam mit der Tochter-Airline Sonderflüge an. Was können Fahrgäste tun? Die Bahn hatte Reisenden empfohlen, Fahrten möglichst vorzuziehen – oder nach hinten zu verschieben. Gebuchte Fahrkarten für den Fernverkehr im geplanten Zeitraum des Streiks von Donnerstag bis Dienstag könnten schon bis zum 17. September flexibel genutzt werden, teilte die Bahn mit. Bei Sparpreisen sei die Zugbindung aufgehoben. Zudem sollten Fahrgäste im besten Fall einen Sitzplan reservieren. Was will die GDL mit dem Streik erreichen? Die GDL fordert in dem Tarifstreit eine Lohnerhöhung von 3,2 Prozent sowie eine Corona-Prämie von 600 Euro und bessere Arbeitsbedingungen. Die Bahn bietet ursprünglich zwar 3,2 Prozent mehr Lohn, will die Stufen aber später umsetzen und fordert eine längere Laufzeit des Tarifvertrages. Das Unternehmen hatte zwar Verhandlungen über eine Prämie angeboten, zunächst jedoch keine konkrete Zahl genannt. Wie geht es bei den Verhandlungen weiter? Die Bahn hat ihr Angebot nachgebessert und fordert ein Ende des Streiks. „Wir erfüllen zentrale Forderungen der GDL“, sagte Personalvorstand Martin Seiler. Konkret will der Konzern der Lokführergewerkschaft demnach sowohl bei der Corona-Prämie als auch bei der Laufzeit des künftigen Tarifvertrags entgegen kommen. Die Prämie solle in gleicher Höhe wie im Öffentlichen Dienst gezahlt werden, teilte die Bahn mit. Die GDL will aber an ihrem Streik festhalten. „Die schlechte Nachricht für die Bahn-Kunden: Der Streik geht weiter“, sagte Gewerkschaftschef Claus Weselsky. Warum streikt die GDL eigentlich schon wieder? Die Fronten zwischen der Deutschen Bahn und der Gewerkschaft sind verhärtet. Der GDL-Vorsitzende Claus Weselsky sprach von Scheinofferten, die die Bahn bislang auf den Tisch gelegt habe. „Sie strebt kein echtes Einlenken an, sondern hält in voller Absicht an ihrem strikten Verweigerungskurs fest“, sagte der Gewerkschafter, schon bevor die Bahn ihr neues Angebot vorgelegt hatte. Die Bahn teilte mit, mit dem neuen Angebot erfülle sie zentrale Forderungen der GDL. Es gebe jetzt „erst recht“ keinen Grund mehr für einen fast einwöchigen Streik. DB-Chef Richard Lutz hatte Weselsky bereits zuvor aufgefordert, „jetzt einfach an den Tisch zu kommen und nicht draußen stehen zu bleiben und das gesamte Land lahmzulegen“. Die GDL hat auf das neue Angebot der Bahn noch nicht offiziell reagiert. Wird es noch weitere Streiks geben? Das ist nicht ausgeschlossen und auch realistisch, wenn es nicht bald zu einer Einigung kommt. GDL-Chef Weselsky hatte aber angekündigt, dass es keinen Arbeitsausstand mit offenem Ende geben werde. Die ersten beiden Streiks im August hatten die Bahn und auch Millionen Fahrgäste überrascht: Der erste kam sehr kurzfristig und in der Ferienzeit, der zweite dauerte auch schon mehrere Tage an – und durchkreuzte so die Reisepläne vieler Menschen. Worum geht es im Tarifkonflikt noch? In dem Tarifkampf ist auch die Position der GDL im Konzern und im Wettbewerb mit der größeren Eisenbahn- und Verkehrsgewerkschaft (EVG) wichtig. Diese hat sich bereits mit der Bahn geeinigt, die Ergebnisse hält die Lokführergewerkschaft jedoch für unzureichend. Die GDL nutzt den aktuellen Konflikt auch, um neue Mitglieder zu werben, und will so ihre Position in einer betriebsinternen Auseinandersetzung mit der Bahn stärken.