Steuern, Hartz IV, Corona-Bonus: Diese Änderungen für 2022 sollten Sie kennen

Einige Gesetze und Regeln ändern sich 2022. Viele der Neuerungen können für den Einzelnen von Vorteil sein: Hartz IV und der Steuerfreibetrag wird erhöht und Verträge können einfach gekündigt werden – aber auch beim Einkaufen gibt es eine wichtige Änderung.

Neue Regelungen 2022: Höherer Steuerfreibetrag

2022 steigt der Grundfreibetrag in der Einkommensteuer wie geplant weiter – für Ledige auf 9.984 Euro. Das ist ein Plus von 240 Euro gegenüber dem Vorjahr. Ehepartnern stehen 19.968 Euro zu, das sind 480 Euro mehr als bisher.Der Grundfreibetrag ist die Summe, bis zu dem das Einkommen Lediger oder gemeinsam veranlagter Ehepartner steuerfrei bleibt. Dieser Betrag wird steuerlich nicht angetastet. Dadurch haben Arbeitnehmer etwas mehr Geld, da der Staat ab Januar 2022 erst bei Einkommen über dem neuen Grundfreibetrag Steuern abzieht.

Im selben Umfang erhöhen sich die Beiträge, bis zu denen Steuerzahler Unterhalt für nahe Angehörige als außergewöhnliche Belastungen abziehen können. Maximal 9.984 Euro sind da ab 2022 drin – 2021 waren es 9.744.

Benzinpreise: CO2 Steuer steigt 2022

Zum 1. Januar 2022 tritt eine neue Stufe der CO2-Bepreisung in Kraft. Seit vergangenem Jahr wird auf fossile Energieträger wie Gas und Heizöl, aber auch auf fossile Kraftstoffe wie Benzin und Diesel eine CO2-Abgabe erhoben. 2022 wird die Abgabe von 25 Euro auf 30 Euro pro Tonne CO2 erhöht.

Laut dem “Auto Club Europa” steigt der Preis von Diesel im Schnitt um 1,6 Cent und der Liter Benzin um 1,4 Cent. Für Diesel-Fahrer wird es allerdings vielleicht noch teurer: Die Ampelkoalition erwägt, den Steuersatz auf Diesel dem von Benzin anzugleichen. Diesel würde dann auf einen Schlag rund 18 Cent pro Liter teurer werden.

Änderung beim Einkaufen: Aus für Plastiktüten

Ab Januar 2022 gilt in Deutschland ein Verbot für leichte Plastiktragetaschen. Durch dieses Maßnahme soll der Plastikmüll reduziert und die Umwelt geschützt werden.

Händler dürfen dann keine leichten Kunststofftragetaschen mehr an ihre Kunden ausgeben. Dies sind Tüten mit einer Wandstärke von 15 bis 50 Mikrometern. Ein Verstoß gegen das Verbot soll als Ordnungswidrigkeit mit Bußgeldern geahndet werden können. Die Plastiktüten in der Obst und Gemüseabteilung sind von dieser Regelung allerdings ausgenommen.

Höherer Mindestlohn

Wer den Mindestlohn erhält, kann sich ab dem 1. Januar 2022 über ein höheres Einkommen freuen. Der Mindestlohn steigt dann von bisher 9,60 Euro auf 9,82 Euro pro Stunde. Am 1. Juli 2022 wird er dann noch einmal angehoben. Pro Stunde muss dann mindestens 10,45 Euro gezahlt werden.

Zensus 2022

2022 findet in Deutschland wieder ein Zensus statt, dies ist eine registergestützte Bevölkerungszählung. Dadurch wird ermittelt, wie viele Menschen in Deutschland leben, wie sie wohnen und arbeiten. Viele Entscheidungen in Bund, Ländern und Gemeinden stützen sich auf Bevölkerungs- und Wohnungszahlen. Daher ist eine regelmäßige Bestandsaufnahme der Bevölkerungszahl wichtig.

Zum Großteil werden für die Zählung Daten aus Verwaltungsregistern verwendet, sodass die Mehrheit der Bevölkerung keinerlei Auskunft geben muss. Seit 2011 gibt es einen EU-weiten Zensus alle zehn Jahre. Eigentlich hätte dieser bereits 2021 stattfinden müssen, jedoch wurde die Zählung aufgrund der Corona-Pandemie verschoben.

Änderungen 2022 bei Hartz IV

Im Januar 2022 gibt es zudem eine Erhöhung bei dem Hartz-IV-Satz. Für alleinstehende Erwachsene beträgt dieser dann 449 Euro. Das ist eine Erhöhung von drei Euro. Der Regelsatz für Jugendliche ab 14 Jahren steigt ebenfalls um drei Euro auf 376 Euro. 

Ehegatten und Partner bekommen in Zukunft 404 Euro, Erwachsene unter 25 Jahren ohne eigenen Haushalt erhalten 360 Euro – ebenfalls jeweils ein Plus von drei Euro. Bei Kindern erhöht sich der Satz um zwei Euro. Kinder bis fünf Jahre erhalten statt bisher 283 Euro Ende Dezember 285 Euro pro Monat. Sechs- bis 13-Jährige kriegen künftig 311 Euro. An den Änderungen gibt es allerdings viel Kritik aus Politik, Wirtschaft und Verbänden, da es nur sehr geringe Erhöhungen sind.  

Corona-Bonus noch bis März 2022

Bis zum 31. März 2022 können Arbeitgeber ihren Mitarbeitern noch einen steuerfreien Corona-Bonus auszahlen. Die Höchstgrenze von insgesamt 1.500 Euro darf jedoch nicht überschritten werden. Das bedeutet, wenn im Jahr 2021 bereits ein steuerfreier Corona-Bonus gezahlt wurde, darf die Summe aller Boni zusammen nicht mehr als 1.500 Euro betragen.

Wichtige Frist läuft aus: Führerschein-Umtausch

Im neuen Jahr muss der Führerschein getauscht werden. Das bedeutet ein aus für die „Pappe“: Der unbegrenzt gültige deutsche Führerschein muss gegen den EU-Scheckkartenführerschein ausgetauscht werden. Dieser hat ein Ablaufdatum und muss daher immer wieder erneuert werden. Eine neue Prüfung muss man allerdings nicht ablegen.

Der Umtausch geschieht in Staffeln, 2022 endet eine erste Frist: „Wer zwischen 1953 und 1958 geboren wurde und einen Führerschein besitzt, der vor dem 1. Januar 1999 ausgestellt wurde, muss diesen zügig umtauschen. Die Umtauschfrist läuft zum 19. Januar 2022 aus. Die Jahrgänge 1959 bis 1964 haben noch ein Jahr länger Zeit“, so der Auto Club Europa e. V. Wer mit einem alten Führerschein von der Polizei kontrolliert wird, ist zwar noch nicht wegen Fahrens ohne Fahrerlaubnis dran; es kann allerdings ein Verwarngeld fällig werden.

Verträge kündigen wird einfacher

Bislang stand in Allgemeinen Geschäftsbedingungen meistens, dass Laufzeitverträge drei Monate vor Ablauf der Vertragslaufzeit gekündigt werden müssen. Sonst verlängert sich der Vertrag um ein ganzes Jahr. Diese Regelung gilt nicht mehr für Verträge, die ab dem 1. März 2022 abgeschlossen werden. Diese dürfen lediglich eine Kündigungsfrist von einem Monat haben. Verpassen Sie die Kündigungsfrist, verlängern sich die Verträge zwar auf unbestimmte Zeit, können jedoch mit einer Frist von einem Monat wieder gekündigt werden.
 
Eine weitere Neuerung gibt es bei Online-Verträgen. Wenn Sie in Zukunft einen Laufzeitvertrag online abschließen, muss Ihr Vertragspartner ab dem 1. Juli 2022 einen Kündigungsbutton auf seiner Homepage haben. Damit sollen Kündigungen schneller und einfacher werden.

Deutsche Post hebt Preise an

Das Verschicken von Briefen wird im neuen Jahr teurer. Das Senden einer Postkarte kostet ab Januar 2022 nicht mehr 60 Cent, sondern 70 Cent. Ein Standardbrief kostet dann 85 Cent. Das sind fünf Cent mehr als bislang. Die neuen Preise sollen bis Ende 2024 gelten. Bereits erworbene Briefmarken behalten ihre Gültigkeit, können jedoch nicht mehr umgetauscht werden.