Panzer auf deutschen Straßen unterwegs – Müssen wir uns Sorgen machen?

Die Panzer rollen. Aber nicht nur in der Ukraine. Auch in Deutschland werden in immer mehr Städten Truppenbewegungen der deutschen Bundeswehr gesichtet. Was hat das zu bedeuten? Droht der Konflikt zwischen Russland und der Ukraine, jetzt also auch auf Deutschland überzuspringen? Warum wir uns darüber aktuell keine Sorgen machen müssen, wir uns aber Gedanken über den Zustand der Bundeswehr machen sollten.

Unterstützung der Nato-Truppen

Dass man in Deutschland Truppen der Bundeswehr aktuell und vermutlich auch in der nächsten Zeit häufiger zu sehen bekommt als sonst, hat mehrere Gründe. Zum einen verlegt die Bundeswehr Teile ihrer Truppen. Denn vor allem die Ostflanke der Nato-Streitkräfte soll verstärkt werden. Das heißt die Bundeswehr macht sich auf in Richtung Osteuropa, also Länder wie Polen, Rumänien, Bulgarien oder die baltischen Staaten, Estland, Lettland und Litauen. Die Bundeswehr ist also hierzulande quasi nur auf der „Durchreise“.

Die Bundesregierung bestätigt am Freitag, dass sie der Nato ein entsprechendes Angebot dafür gemacht hat. Die aktuelle Lage sei nach dem russischen Angriff auf die Ukraine „extrem gefährlich“, sagte Regierungssprecher Steffen Hebestreit. Gerade die östlichen Nato-Partner seien nervös, weshalb viele Nato-Partner zusätzliche Angebote machten. Zuvor hatte der „Spiegel“ berichtet, dass Verteidigungsministerin Christine Lambrecht Möglichkeiten zur Nato-Truppenverstärkung zusammengestellt hätte. Demnach könnte eine Infanterie-Kompanie mit rund 150 Soldaten mit „Boxer“-Radpanzern an die Nato-Ostflanke verlegt werden. Die deutschen Soldaten könnten sich einem französischen Gefechtsverband in Rumänien anschließen, den Paris bei der Nato bereits angekündigt habe.

Mehr militärische Bewegungen im öffentlichen Raum

Trotzdem bereitet sich die Bundeswehr auch in Deutschland vor. Das Bundesverteidigungsministerium hat nach dem russischen Angriff „nationale Alarmmaßnahmen“ ausgelöst. „Die Bundeswehr ist vorbereitet und erhöht derzeit weiter ihre Bereitschaft“, teilte das Ministerium am Donnerstag in Berlin mit. „Das bedeutet auch, dass die Bevölkerung gegebenenfalls in den nächsten Tagen mehr militärische Bewegungen im öffentlichen Raum wahrnehmen kann.“

Die Bundeswehr bereitet als Reaktion auf die wachsenden Spannungen aber auch eine Verlegung weiterer Eurofighter zum Schutz der Nato-Südostflanke nach Rumänien vor. Die Kampfflugzeuge sollten zeitnah vom Fliegerhorst Neuburg an der Donau starten. Das Verteidigungsministerium hatte erst in der vergangenen Woche drei Eurofighter nach Rumänien verlegt.

Ein Sprecher des Verteidigungsministerium verwies darauf, dass die Bundeswehr ohnehin schon etwa 1.000 Soldaten in Litauen eingesetzt habe. Und schon heute seien 13.500 Soldaten und Soldatinnen für die schnelle Eingreiftruppe der Nato abgestellt.

Die Bundeswehr führt in Litauen auf dem Militärstützpunkt Rukla seit 2017 eine Nato-Einheit zur Abschreckung Russlands und stellte bislang etwa die Hälfte der rund 1.200 Soldaten. Wegen der schweren Spannungen im Ukraine-Konflikt hatte das Verteidigungsministerium zuletzt weitere etwa 350 Soldaten in das Partnerland entsandt.

Bundeswehr fehlen dicke Jacken und Unterwäsche

Deutschland trägt mit seinen Truppen nur zu einem kleinen Teil zur Truppenstärke der Nato bei. Der ehemalige General der Bundeswehr Erich Vad meint: „Wir können sehr froh sein, dass wir in der Nato sind. Wir können auch als Europäer sehr froh sein, dass wir die Amerikaner im Bündnis haben.“ Denn Russland würde nach Meinung des Experten eigentlich nur die amerikanische Armee richtig ernst nehmen. Europa allein hätte Russland nicht viel entgegenzusetzen. „Wir müssen als Europäer wieder dafür sorgen, dass wir endlich wieder wehrfähig werden.“

Auch Sicherheitsexperte Thomas Jäger bemängelt den Zustand der Bundeswehr: „Die erschreckende Einsicht – jedenfalls für viele Teile der Öffentlichkeit – ist ja, dass etwa die Bundeswehr zur Verteidigung überhaupt nicht in der Lage ist.“

In den letzten Tagen war der Zustand der Bundeswehr immer wieder öffentlich kritisiert worden. Der Heeresinspekteur Alfons Mais sagte im Netzwerk Linkedin „die Bundeswehr, das Heer, das ich führen darf, steht mehr oder weniger blank da.“ Beispielsweise im Militärstützpunkt in Litauen fehlten der Bundeswehr einfache Ausrüstung wie dicke Jacken oder Unterwäsche.

Bundesfinanzminister Christian Lindner ist sich der Lage der Bundeswehr bewusst und will mehr Geld in die Hand nehmen: „Ich bin in Sorge, dass wir die Bundeswehr so stark vernachlässigt haben in der Vergangenheit, dass sie ihrem Auftrag nicht gerecht werden kann“, erklärt Lindner in der ARD. „Sinkende Verteidigungsausgaben passen nicht mehr in die Zeit.“ Für ihn müssten die Mittel für die Bundeswehr verstärkt werden müssten. (dpa/khe)